Schweiz

BVG / 2. Säule Schweiz: Pensionskasse einfach erklärt

BVG = Ihre Pensionskasse. Pflicht ab CHF 22'680 Jahreslohn (2026). Beiträge, Einkauf, Vorbezug & Rente vs. Kapital erklärt.

6 Min.
Definition

BVG / LPP (2. Säule)

Das BVG (Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge) / LPP (Loi sur la prévoyance professionnelle) ist die gesetzliche Grundlage der 2. Säule in der Schweiz: Ihre Pensionskasse. Pflichtversichert sind alle Arbeitnehmer ab CHF 22'680 Jahreslohn (Stand 2026). Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen gemeinsam ein, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern.

Kurz erklärt

Zweck
Ergänzung zur AHV (1. Säule), sichert gewohnten Lebensstandard im Alter
Pflicht
Ab CHF 22'680 Jahreslohn (2026)
Finanzierung
Arbeitgeber + Arbeitnehmer (AG zahlt mindestens gleich viel)
Beitragssatz
7-25% des koordinierten Lohns (steigt mit Alter)
Auszahlung
Rente oder Kapital (je nach Reglement)
Vorbezug
Nur für Wohneigentum, Selbständigkeit, Auswanderung

Warum BVG wichtig ist: Das 3-Säulen-System

Die Bedeutung der 2. Säule

Für die meisten Angestellten ist BVG der größte Vermögensposten.

Ohne 2. Säule
Nur AHV-Rente maximal CHF 2'450/Monat = massive Vorsorgelücke
Mit 2. Säule
AHV + BVG-Rente = typisch CHF 4'000-7'000/Monat
Bei Pensionierung
BVG ist oft CHF 300'000-800'000 - Ihr größter Vermögensposten

Das 3-Säulen-System im Überblick

Zusammenspiel der drei Säulen:

1. Säule (AHV/IV)
Pflicht für alle, Existenzsicherung
2. Säule (BVG)
Pflicht ab CHF 22'680, gewohnter Lebensstandard
3a (Gebundene Vorsorge)
Freiwillig, Zusatzvorsorge + Steuern sparen

BVG-Pflicht: Wer ist versichert?

Obligatorisch versichert

BVG ist Pflicht für:

Lohn
Alle Arbeitnehmer ab CHF 22'680 Jahreslohn (2026)
Alter
18-65 Jahre (Todesfallschutz ab 18, Alterssparen ab 25)
Anstellung
Angestellt bei Schweizer Arbeitgeber

Nicht obligatorisch versichert

Folgende Gruppen sind nicht automatisch versichert:

Selbständige
Können sich freiwillig versichern (z.B. bei Auffangeinrichtung)
Grenzgänger
Je nach internationalen Abkommen
Teilzeitangestellte
Unter CHF 22'050/Jahr
AHV-Rentner
Ab 65/64 Jahre

Wie funktioniert das BVG: Beiträge

Beitragssatz nach Alter (BVG-Mindestsätze)

Die Beiträge steigen mit dem Alter, um das Altersguthaben aufzubauen:

Alter 25-34
7% (Arbeitgeber 3.5%, Arbeitnehmer 3.5%)
Alter 35-44
10% (Arbeitgeber 5%, Arbeitnehmer 5%)
Alter 45-54
15% (Arbeitgeber 7.5%, Arbeitnehmer 7.5%)
Alter 55-65
18% (Arbeitgeber 9%, Arbeitnehmer 9%)

Koordinierter Lohn

Beiträge werden nicht auf gesamtem Lohn berechnet:

Berechnung
Bruttolohn minus Koordinationsabzug (CHF 26'460 in 2026)
Beispiel
Lohn CHF 80'000 - CHF 26'460 = CHF 53'540 koordinierter Lohn
Beitrag (40 Jahre)
10% von CHF 53'540 = CHF 5'354/Jahr (je CHF 2'677 AG/AN)
Wichtig
Viele Pensionskassen haben überobligatorische Leistungen (höhere Beiträge)

Kapitalaufbau: Ihr Altersguthaben

Zusammensetzung des BVG-Kapitals

Ihr BVG-Altersguthaben besteht aus mehreren Komponenten:

Ihre Beiträge
Lohnabzüge über gesamte Karriere
Arbeitgeberbeiträge
Mindestens gleich viel wie Sie
Zinsen
BVG-Mindestzinssatz aktuell 1.25% (Stand 2026)
Einkäufe
Eventuell freiwillige Zusatzzahlungen

Beispiel-Berechnung

Typisches Beispiel eines Altersguthabens:

Start
Alter 25, Lohn CHF 80'000
Dauer
40 Jahre Beiträge (steigend mit Alter)
Verzinsung
1.5% p.a. (Durchschnitt)
Endkapital (65)
~CHF 600'000

BVG-Ausweis lesen: Die wichtigsten Zahlen

Jährliche Kennzahlen prüfen

Diese Zahlen sind auf Ihrem BVG-Ausweis entscheidend:

1. Altersguthaben
Ihr aktuelles BVG-Kapital (Beispiel: CHF 150'000 mit 45 Jahren)
2. Deckungsgrad
>100% = gesund, <100% = Unterdeckung (Beispiel: 110% = 10% Puffer)
3. Umwandlungssatz
BVG-Minimum 6.8% (obligatorisch), viele Kassen 5-6% (gesamt)
4. Verzinsung
Obligatorisch: 1.25% Minimum, Überobligatorisch: 0.5-2% (Kasse entscheidet)
5. Einkaufspotenzial
Wie viel können Sie freiwillig einzahlen (steuerlich absetzbar)

BVG-Vorbezug: Drei Möglichkeiten

1. Wohneigentum (WEF)

Für Kauf/Bau Eigenheim oder Hypotheken-Amortisation:

Bis 50 Jahre
Gesamtes Kapital oder CHF 50'000 (je nachdem, was höher)
Ab 50 Jahre
Max. CHF 50'000 oder 50% des Kapitals
Rückzahlung
Freiwillig bis 3 Jahre vor Pensionierung
Konsequenz
Niedrigere BVG-Rente später (weniger aufgebautes Kapital)
Steuer
Als Kapitalleistung besteuert (einmalig, reduzierter Satz)

2. Selbständigkeit

Bei definitiver Aufnahme einer selbständigen Haupterwerbs-Tätigkeit:

Bedingung
Haupterwerb (nicht nebenberuflich), definitiv selbständig
Betrag
Gesamtes BVG-Kapital beziehbar
Konsequenz
Keine BVG-Versicherung mehr (außer freiwillige Versicherung)

3. Auswanderung

Bei definitivem Verlassen der Schweiz:

Bedingung
Dauerhafter Wohnsitz im Ausland, keine CH-Erwerbstätigkeit mehr
EU/EFTA
Nur überobligatorischer Teil beziehbar, Rest bleibt gebunden
Andere Länder
Gesamtes Kapital beziehbar
Steuern
Quellensteuer (je nach Kanton unterschiedlich)

BVG-Einkauf: Steuern sparen & Vorsorge stärken

Was ist ein Einkauf?

Freiwillige Zusatzzahlung in Ihre Pensionskasse:

Vorteil 1
Voll vom steuerbaren Einkommen abziehbar (wie Säule 3a)
Vorteil 2
Erhöht Ihr BVG-Kapital (höhere Rente oder Kapitalbezug)
Vorteil 3
Keine Limits außer Einkaufspotenzial laut PK-Ausweis

Wichtige Bedingungen

Diese Einschränkungen gelten für BVG-Einkäufe:

3-Jahres-Sperrfrist
Bei Kapitalbezug innerhalb 3 Jahren = Steuernachzahlung
Gebundenes Kapital
Wie BVG bis Pensionierung gebunden
Kassenstabilität
Abhängig von Gesundheit der PK (Deckungsgrad prüfen!)

Beispiel-Rechnung

Sarah, 45 Jahre, Einkaufspotenzial CHF 80'000:

Einkauf
CHF 20'000
Grenzsteuersatz
30%
Sofortige Steuerersparnis
CHF 6'000
Wert mit 65
~CHF 27'000 (bei 1.5% Verzinsung)
Empfehlung
Gestaffelte Einkäufe (jährlich CHF 10'000-20'000) für Steueroptimierung

Anlagestrategie in der Pensionskasse

Viele Pensionskassen bieten Wahlmöglichkeiten

Wählen Sie die passende Strategie für Ihren Horizont:

Konservativ
20-30% Aktien, Rest Obligationen - Für: Kurz vor Pensionierung - Rendite: 1-2% p.a.
Ausgewogen (Standard)
40-50% Aktien - Für: Durchschnittliche Versicherte - Rendite: 2-3% p.a.
Offensiv
60-70% Aktien - Für: 15+ Jahre Horizont, risikotolerant - Rendite: 3-5% p.a.

Empfehlung

Die richtige Strategie-Wahl kann Zehntausende ausmachen:

Unter 50 Jahre
Offensiv wählen bei 15+ Jahren bis Pensionierung
Impact
Renditeunterschied über 20 Jahre = CHF 50'000-100'000!

Rente vs. Kapital bei Pensionierung

Option A: Rente

Lebenslang garantierte monatliche Zahlung

Berechnung
Altersguthaben × Umwandlungssatz (z.B. CHF 600'000 × 5.8% = CHF 2'900/Monat)
Vorteile
Sicherheit, kein Langlebigkeitsrisiko
Nachteile
Bei Tod erbt Partner weniger (meist 60% Witwen-/Witwerrente)
Steuern
Als Einkommen besteuert (progressiv, Jahr für Jahr)
Beispiel
Ideal für: Sicherheitsorientierte, keine großen Erbschaftsziele

Option B: Kapital

Einmalige Auszahlung (ganz oder teilweise)

Berechnung
Gesamtes Guthaben auf einen Schlag (z.B. CHF 600'000)
Vorteile
Flexibilität, Vererbbarkeit, selbst verwalten
Nachteile
Langlebigkeitsrisiko (Geld könnte ausgehen), Anlagerisiko
Steuern
Einmalige Kapitalauszahlungssteuer (reduziert, je nach Kanton 5-15%)
Beispiel
Ideal für: Selbstbestimmte Anleger, Erbschaftsplanung wichtig

Empfehlung

Oft Mix sinnvoll (z.B. 50% Rente, 50% Kapital) - je nach Situation.

  • Rente = Sicherheit + garantiertes Einkommen
  • Kapital = Flexibilität + Vererbbarkeit
  • Mix = Beste Balance für viele

BVG vs. Säule 3a: Unterschiede im Überblick

Die wichtigsten Unterschiede zwischen 2. Säule (BVG) und 3. Säule (3a)

Kriterium BVG (2. Säule) Säule 3a
Pflicht Ja (ab CHF 22'680) Freiwillig
Finanzierung Arbeitgeber + Arbeitnehmer Nur Sie
Maximalbeitrag 7-25% koordinierter Lohn CHF 7'258/Jahr (2026)
Steuerabzug Automatisch (Lohnabzug) Manuell (Steuererklärung)
Auszahlung Rente oder Kapital Nur Kapital
Vorbezug WEF, Selbständigkeit, Auswanderung Gleich + 5 Jahre vor AHV
Wahlfreiheit Kein Einfluss auf Kassen-Wahl Freie Anbieterwahl

Erst BVG optimieren (Einkäufe prüfen), dann Säule 3a maximieren.

Typische BVG-Fehler vermeiden

1

BVG-Ausweis nie anschauen

Sie wissen nicht, wie viel Kapital Sie haben, wie gut Ihre Kasse dasteht. Lösung: Jährlich prüfen (Deckungsgrad, Einkaufspotenzial, Verzinsung)

2

WEF-Vorbezug ohne Konsequenzen-Analyse

CHF 100'000 für Eigenheim beziehen = CHF 30'000 weniger Rente später. Lösung: Durchrechnen, ob langfristig lohnt

3

Einkauf kurz vor Kapitalbezug

Einkauf 2 Jahre vor Pensionierung, dann Kapital beziehen = Steuernachzahlung! Lösung: 3-Jahres-Sperrfrist beachten

4

Pensionskasse bei Jobwechsel vergessen

Freizügigkeitspolice auf Sparkonto parken, nicht investieren = Inflation frisst Wert. Lösung: Freizügigkeitsfonds

5

Keine Strategie-Wahl in der PK

Viele PKs erlauben Wahl zwischen Strategien, aber Sie nutzen Standard (oft konservativ). Lösung: Junge sollten offensiv wählen

Checkliste: BVG optimieren

Jährlich BVG-Ausweis prüfen

Deckungsgrad, Verzinsung, Einkaufspotenzial

Anlagestrategie in PK wählen

Falls möglich: offensiv bei langem Horizont

Einkäufe steuerlich nutzen

Gestaffelt über mehrere Jahre

3-Jahres-Sperrfrist beachten

Bei Einkauf + Kapitalbezug

WEF-Vorbezug durchrechnen

Langfristige Konsequenzen für Rente

Bei Jobwechsel Freizügigkeitspolice aktiv verwalten

Nicht auf Sparkonto versauern lassen

Rente vs. Kapital frühzeitig planen

Steuerliche Optimierung

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Häufige Fragen